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Schneller und effektiver Gitarre lernen - durch aktive Integration deiner Skills

Wie du deine verschiedenen Gitarrentechniken gezielt miteinander kombinierst

Gitarrenlehrer Sebastian Posch, 2016

Gitarre lernen Blog

Viele Gitarristen lernen allzugerne eine spezifische Theorie oder mechanische Technik auf der Gitarre (zB. Skalen, Tapping, Sweep Picking, ..) und versuchen diese dann natürlich so schnell wie möglich zu beherrschen. Viele begehen dann jedoch unabsichtlich den Fehler, die neu erlernte Technik zu wenig bzw. erst nach relativ langer Zeit in ihr restliches Spielen einzubinden, weil sie denken dass die neue Technik erst komplett gemeistert werden muss.

Dieses “Einbinden” eines kleinen Puzzleteiles in das Gesamtbild nenne ich Integration. Integration erfordert mehr Aufmerksamkeit und Disziplin als man denkt, und das komplette Meistern einer Technik ist dazu nicht notwendig - man kann die Technik also schon integrieren, bevor sie ihre fertige Form angenommen hat.

Denn: Obwohl vielleicht schon viele Fortschritte bei der aktuellen spezifischen Technik zu sehen sind, herrscht jedoch oft keine gesunde Balance gegenüber allen anderen Spieltechniken und Konzepten. Man sollte diese anderen Konzepte nicht vernachlässigen. Manch andere Techniken entwickeln sich vielleicht sogar zurück, während die neue Spieltechnik gerade intensiv geübt wird.

Verglichen mit einem Geografiebeispiel wäre das also in etwa so, als würde man die Namen sämtlicher Städte und Dörfer in Südamerika auswendig kennen, aber nicht genau wissen wo der Kontinent Australien liegt. Also im besten Fall eine extreme Spezialisierung, meist jedoch eine nutzlose.

Je nach Erfahrungsgrad und je nach Komplexität der jeweiligen Technik verbringen viele Gitarristen zunächst mehrere Wochen oder Monate, um eine neue Technik in Isolation von den anderen Techniken weiterzuentwickeln. Was viele Gitarristen jedoch nicht wissen: Wirkliches Meistern entsteht letzlich nur, wenn man die neue Spieltechnik nicht nur isoliert trainiert, sondern eben möglichst früh und aktiv in das Gesamtbild erfolgreich einbindet.

Mein Geografiebeispiel (siehe oben) ist wahrscheinlich absurd, aber ein Meister in zB. auschliesslich Sweep Picking zu werden, wäre an sich auch ein relativ absurdes sinnloses Ziel, da das Sweep Picking allein, sei es noch so eindrucksvoll, nicht allzu lange die Aufmerksamkeit des Zuhörers aufrechterhalten würde, da es ja nur in Kombination mit anderen Spieltechniken auf der Gitarre interessant wird. Tatsächlich gibt es aber offenbar viele Gitarristen, die es mit einer Technik viel zu weit treiben, und sie vielleicht sogar niemals wirklich integrieren, auch nicht über mehrere Jahre hinweg.

Da mir aufgefallen ist, dass nur wenige Gitarrenschüler dieses aktive Kombinieren ihrer Skills ganz von alleine machen (vorallem betrifft dies auch Gitarristen im Selbststudium zuhause) nenne ich dies einen typischen “Mangel an Integration”, welcher oft mindestens nochmal so viel Zeit und Hingabe erfordert, wie das Lernen der einzelnen Fähigkeiten selbst, und dies sorgt dann oft für grosse Überraschung und teilweise Frustration. Kombiniert und integriert man alle Techniken jedoch aktiv und schon zu einem viel früheren Zeitpunkt, so geht das Eine ins Andere nahtlos über, das Spielen auf der Gitarre kann insgesamt viel flüssiger und musikalischer werden, und das in einer viel kürzeren Zeitspanne. Kurz gesagt: Es passieren ganz einfach mehr Fortschritte in kürzerer Zeit.

Die Vorteile des Integrierens liegen auf der Hand: Spieltechniken und Konzepte können früher direkt in Musik angewendet werden, wenn auch nur schemenhaft oder als laienhafte Simulation (immer noch besser als gar nicht), während die Fortschritte im Unterricht aber viel besser beobachtet sowie nötige Korrekturen frühzeitig vorgenommen werden können.

Ein Beispiel für mangelnde Integration bei einem Gitarristen

  • Er lernt eine Skale (zB. Dur) und spielt die gesamte Skale (oder anfangs nur ionisch und dorisch in der Skale) stundenlang rauf und runter. Soweit so gut (isoliertes Training ist anfangs durchaus sinnvoll)
  • Dann geht er wieder zu seiner anderen “Baustelle” über, zB. Sweep Picking und Arpeggios, und macht dort ein bisschen weiter (auch hier ist eigentlich soweit alles in Ordnung)
  • Die Wochen vergehen schnell, und er hat beide Techniken schon ganz gut drauf. Primär interessiert ihn sowieso nur die Geschwindigkeit, also übt er beide Teile nachwievor völlig separat (wahrscheinlich meistens nur in spezifischen Grundtönen bzw. Teilbereichen des Griffbretts) und arbeitet primär am Speed der jeweiligen Spieltechnik (ebenfalls kann dies sinnvoll sein, jedoch würde ich hier als Gitarrenlehrer bereits eingreifen)
  • Mittlerweile werden dann sowohl die Spieltechnik der Skalen als auch die Arpeggios dieses Gitarristen schön langsam wirklich sauber und auch spürbar schneller, aber oft fühlt er sich als würde er die ganze Zeit nur “Dinge üben” und nur wenig “spielen”. Er bemerkt, dass er weder das eine noch das andere Skill wirklich anwenden kann und wird mitunter frustriert. Rückblickend wird also plötzlich bemerkt, dass zwar zwei individuelle Techniken parallel entwickelt wurden und bereits beherrscht wurden, aber noch lange keine Kombination möglich ist, vor allem nicht in verschiedenen “Keys” und mit keinerlei lebendigen Variationen, und daher kein aktives Musikmachen stattfinden kann.

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Schüler-Auftritt, Jänner 2017 © Sebastian Posch
Schüler-Auftritt, Jänner 2017 © Sebastian Posch
Schüler-Auftritt, Jänner 2017 © Sebastian Posch
Schüler-Auftritt, Jänner 2017 © Sebastian Posch
Schüler-Auftritt, Jänner 2017 © Sebastian Posch

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Ein wöchentlicher Übungsplan

Wenn du auf einem ähnlichen Level wie unser Beispielgitarrist bist, dann sieht dein wöchentlicher Übungsplan zB. in etwa so aus: Du lernst zur Zeit 40% Skalen, 40% Arpeggios, 20% irgendwas anderes. Absichtlich wechselst du zwischen den Themen hin und her, ohne eine “Brücke“ ..

.. Wo bleibt aber nun die Integration der verschiedenen Techniken - wie wendet man das Erlernte endlich an, wie baut man eine Brücke zwischen Technik 1 und Technik 2, in Kombination mit allem anderen was man bereits mühsam auf der Gitarre trainiert hat? Dazu muss ein gewisses Mass an Kreativität her, damit man sich selbständig immer wieder neue gute Anwendungsfälle (in Form von Licks, Riffs, Etüden usw.) für das Integrieren zusammenzimmert.

Beispielsweise würde unser Gitarrist nun einfach mal versuchen, ein Gitarrensolo zu schreiben, wo er stolz seine neu erlernten Fähigkeiten anwenden kann. Angenommen die Skalen sind zur Zeit schon viel weiterentwickelt als die Arpeggios, dann wird (so ist anzunehmen) aus dem Solo unweigerlich eine lange Improvisation innerhalb einer Skale, mit einem extra Arpeggio als musikalische Draufgabe. Mit anderen Worten: Dieser Gitarrist hat noch nicht ganz die Kontrolle über sein Instrument erlangt. Er hat keinen Weg gefunden, die zwei Techniken kreativ miteinander zu verbinden. Er kann sich daher ungenügend musikalisch ausdrücken, da ihn die fehlende Integration noch zu stark zurückhält, und er hat 0% der Übungszeit investiert, um Lösungen zu finden.

Hier komme dann meist ich ins Spiel, wortwörtlich, denn hier stossen viele Gitarristen an ihre spielerischen Grenzen. So viel harte Arbeit an den einzelnen Techniken, aber am Ende nur sehr wenige praktisch anwendbare Resultate? Dies sorgt für Frustration. Auch mich betrifft dieses Problem immer noch, und wird es vielleicht auch noch für lange Zeit (da eine optimale Zeiteinteilung für einzelne Übungseinheiten wirklich nicht einfach in der Praxis umzusetzen ist)

Im täglichen Unterricht zeige ich meinen Schülern jedoch aktiv, wie man den Übungs-Fokus darauf richtet, mehrere Gitarrenspieltechniken auf kreative Art und Weise sofort zu integrieren sobald man die mechanischen Abläufe zumindest einigermassen kann, so dass man in Folge recht schnell echte Musik damit machen kann. Ich versuche zu helfen und zeige mit praxisnahen Beispielen von Integrationsmöglichkeiten vor, wie man die erlernten Techniken auf der Gitarre miteinander kombiniert, in Musik anwendet, und letzlich meistert.
Das selbe kannst du nach dem Lesen dieses Artikels also auch tun, indem du lediglich deinen Übungsplan in Berücksichtigung auf Integration ein bisschen veränderst.

In vielen Fällen ist es übrigens sogar sinnvoll, Spieltechniken, welche üblicherweise als fortgeschritten angesehen werden schon relativ früh zu üben, da sich hierdurch automatisch viel mehr Gelegenheiten für eine aktive Integration für dich bieten. Ist zB. Sweep Picking eine fortgeschrittene Technik die man erst nach jahrelangen Akkordübungen lernen “darf”? Nein.

Dein neuer, verbesserter Gitarren-Übungsplan

Als ersten Schritt würde ich nun vereinfacht gesagt den oben angesprochenen Übungsplan wie folgt anpassen:

Alter Übungsplan (zur Erinnerung): 40% Skalen & 40% Arpeggios in Isolation, 20% irgendwas anderes.

Neuer Übungsplan: Reduzierung auf 20% Skalen & 20% Arpeggios, 20% irgendwas anderes, und nun: 40% Kombination von Skalen mit Arpeggios.

Dieser Ansatz für einen neuen Übungsplan ist dem alten weit überlegen und erspart dir vielleicht sogar ein paar Monate. Denn mit ihm hast du immer noch die Möglichkeit, dich um zwei verschiedene Techniken isoliert zu kümmern (was wie gesagt auch jeder Gitarrist machen sollte), hast aber noch mehr als genügend Zeit um die neuen Techniken aktiv zu integrieren und anzuwenden. Dieser neue Übungsplan ist also eher geduldig, und er kann für unbestimmte Zeit gelten - Fortschritte geschehen meist relativ schnell, man benötigt wie gesagt nur ein bisschen mehr Geduld und Ausdauer.

Hast du dieses Prinzip erstmal verstanden, so soll sich dein Fokus neu ausrichten bis du mehrere Techniken beliebig integriert hast, und mit der musikalischen Kombination der Techniken möglichst schnell zufrieden bist.

Selbst wenn also in dem obigen Beispiel sowohl Skalen als auch Arpeggios noch lange nicht “gemeistert” wurden, und zB. die gewünschte Geschwindigkeit überhaupt noch nicht passt, ist es meiner Meinung nach in vielen Fällen sinnvoller, lieber etwas früher mit der Integration zu beginnen, als diese auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Fazit: Eine Integration von einem sehr unsauber gespielten Arpeggio in eine unsaubere langsame Skale mit Timingfehlern, mag zwar insgesamt nicht unbedingt toll klingen, kann aber zu einem bestimmten Zeitpunkt eines individuellen Gitarristen um ein Vielfaches sinnvoller sein als das totale Meistern von nur einer der beiden Techniken. Denn hier zeigt sich noch ein kleiner Vorteil: Der Gitarrist bekommt relativ früh eine realistische Vorschau, auf das was ihn noch alles auf seinem Weg erwartet und wie er die Techniken überhaupt verwenden wird.

Weitere Beispiele

Das Integieren deiner verschiedenen Skills ist natürlich nicht nur bei Skalen und Arpeggios wichtig, und auch nicht immer strikt auf exakt ZWEI Techniken beschränkt. Weiters ist es auch von deinem Erfahrungsgrad völlig unabhängig - ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi, jeder Gitarrist kann sich sofort um die Integration der neuen Spieltechniken kümmern, die er oder sie zumindest ansatzweise beherrscht.

Nachfolgend beende ich diesen Artikel mit ein paar weiteren Beispielen für das aktive Integrieren deiner Fähigkeiten auf der Gitarre:

  • Integration von Arpeggios mit Tapping: Denk dir eine Serie von Arpeggios aus, und verbinde die einzelnen Arpeggios mit ein paar geschickt platzierten Tapping-Zugriffen. Stösst du hierbei auf Probleme, so übe gezielt NUR den Verbindungsteil wo das Tapping vorkommt, und nicht immer wieder die gesamte Serie. Da du ja zB. die Arpeggios an sich schon ganz gut kannst, musst du diese nicht immer von Vorne wiederholen, sondern nur die letzten bzw. ersten paar Noten direkt vor oder nach dem Tapping Einsatz. Weder die Arpeggios noch das Tapping müssen perfekt sein - es geht hier nur drum, das Feeling kennenzulernen welches auftritt wenn die beiden Skills vermischt werden.
  • Integration von Tapping und Pull-Offs in Rhythmus-Riffs: Schreibe ein möglichst einfaches rhythmuslastiges Riff und versuche dann, dir ganz langsam und gezielt zu überlegen wie du die Tapping- Technik in Kombination mit Hammer-Ons/Pull-Offs und vielleicht sogar Bending & Vibrato einsetzen könntest. Sehr viele Gitarristen lernen Tapping sowie Hammer-Ons/Pull-Offs meist nur in einem Lead-Kontext (also für ein Solo etc.), dabei lassen sich diese Techniken auch sehr gut verwenden (vor allem bei modernem Metal) um ein Riff auf den tieferen Saiten zu erweitern und mehr abzurunden.
  • Integration von Legato und Tapping: Nimm ein dir bekanntes, ausreichend geübtes Legato Lick, und erweitere die Time Signatur sowie die “Range” (Reichweite) des Licks drastisch, indem du alle paar Noten Tapping jenseits des 12. Bundes hinzufügst. Das Lick wird dadurch unter Umständen länger und musikalisch gesehen auch viel interessanter (und schwerer zu spielen, was ja gut so ist). Musst du dazu Legato schon perfekt beherrschen, mit extrem sauberem Muting der linken Hand? Ich finde nicht. Du musst hier lediglich die Basics können.
  • Integration von verschiedenen Akkord-Stilen: Spiele eine klassische Akkordfolge die du kennst (C-F-G-...), und ersetze alle paar “herkömmlichen” Akkorde durch Power Chords, Double-Stops oder durch unübliche Inversionen, die zu dem musikalischen Kontext dazupassen aber gleichzeitig viel schwerer zu spielen sind, da sie zb. auf dem Griffbrett weiter entfernt sind. So erweiterst du gezielt die Reichweite auf dem Griffbrett deiner Gitarre, und trainierst gleichzeitig die Sauberkeit deiner Akkorde. Von C auf G umzugreifen ist eine Sache, aber von dem selben C Akkord auf diverse Inversionen von G, und dann von dort wieder zurück, und das ganze “auf Kommando”, wie sieht es damit aus?

Integriere JETZT all deine Fähigkeiten auf der Gitarre

Möchtest du noch mehr erfahren, wie du durch die Integration all deiner Skills und Fähigkeiten die Gitarre wirklich meistern kannst, und wie sich dies auf die Musik die du vielleicht bald schreibst auswirken wird?

Dann biete ich dir hierzu drei Möglichkeiten an:

Möglichkeit 1: Lies diesen gesamten Artikel nochmal, probiere alle Beispiele durch (falls du von der Erfahrung schon so weit bist) und integriere das Integrieren in deinen Übungsplan. Finde eventuell auch völlig neue Beispiele zur Integration (wenn du ein neues Beispiel entwickelt hast um 2 oder 3 Techniken miteinander zu kombinieren, dann schreibe mir eine Nachricht)

Möglichkeit 2: Komm zu mir in eine unverbindliche Probestunde und ich zeige dir in der Praxis ein paar weitere Integrationsbeispiele, welche wir hier regelmässig in unserer Gitarrencommunity zum Training verwenden.

Möglichkeit 3: Nimm demnächst an einem speziellen Integrations-Workshop Teil, wo wir wieder gezielt an diesem Thema arbeiten. Übrigens lassen sich auch verschiedenartige Songwriting Skills “integrieren”, zB. mit Improvisation, dazu gehe ich aber hier nicht näher ein. Vor einem Integrations-Workshop kommst du ebenfalls zu einer kostenlosen Probestunde, damit ich dich auf die Teilnahme am Workshop vorbereiten kann und du unsere üblichen Standard Integrationsanwendungsfälle kennenlernst.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel helfen, und dir vor allem aufzeigen dass man unter Umständen sehr viel Zeit sparen kann wenn man seinen Übungsplan ein bisschen in Richtung Integration, Kombination und Anwendung verändert. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener, ich glaube dass die Integration der einzelnen Fähigkeiten auf der Gitarre noch von zu vielen Gitarristen vernachlässigt wird.

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Über den Autor

Sebastian Posch wurde 1978 geboren, spielt seit 1989 Gitarre und ist ein in Niederösterreich wohnhafter Gitarrenlehrer und Studiogitarrist.

Gitarrenlehrer Sebastian Posch
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