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10 Tipps für mehr Fortschritte auf der Gitarre

Mehr Fortschritte auf der Gitarre machen!

Gitarrenlehrer Sebastian Posch, 2017

Gitarre lernen Blog

Die folgenden hilfreichen Tipps für mehr Fortschritte auf der Gitarre stammen aus unserem Online Forum. Wir wollen Sie dir nicht vorenthalten. Viel Erfolg mit den Ratschlägen!

Tipp: Fortschritte ohne Üben

Selbst wenn du mal ein paar Tage oder sogar länger Pause machst, dein Gehirn lernt und übt weiterhin Gitarre, so oder so. Ich habe keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, jedoch habe ich schon sehr viele Beobachtungen diesbezüglich gemacht (vor allem an mir selbst)

Damit dein Gehirn weiter lernt, musst du lediglich dein Unterbewusstsein mit den richtigen Fragen befüllen. Dein Unterbewusstsein liebt Fragen, Ziele, Aufgaben und Problemstellungen. Diese sind der Treibstoff mit denen die Denkmaschine befüllt wird.

Gib deinem Unterbewusstsein ruhig kleinere aber relativ komplexe Aufgaben, die es dann selbständig und buchstäblich im Schlaf für dich lösen wird. Dies betrifft Theorie, aber sogar Geschwindigkeit auf der Gitarre! Beende zB. jede Übungs-Session mit ein paar offenen Fragen (Warum funktioniert das nicht? .. Warum ist das so und so? .. Wie geht das und das? .. Wie kann ich X und Y ...?)

Die Wenigsten machen das - Sie beenden lieber ganz zufrieden und befriedigt die Übungs-Session (du kennst das Gefühl). Jedoch sollte es anders sein: Du solltest immer ein bisschen "unzufrieden" und vor allem sehr sehr neugierig sein, ansonsten stagniert die Denkmaschine und zieht sich zurück.

Höchstwahrscheinlich hattest du schon mal das Erlebnis, dass etwas auf der Gitarre gleich auf Anhieb geklappt hat. Nun musst du dir überlegen: Hat es wirklich einfach so geklappt, gleich im ersten Moment? Ist die Welt wirklich so einfach? Oder war dein Unterbewusstsein nicht sowieso schon die ganze Zeit "an der Sache dran" und du hast nur den letzten Handgriff getätigt und die Lösung präsentiert bekommen?

Die Lösung wird mit Spaß präsentiert - Spaß und Glücksgefühle sind die Belohnung für das rationale Denken, das auf eine objektiv richtige Lösung gekommen ist. Plötzlich ergibt 1 + 1 = 2, und das Erkennen dieser Logik ist eines der schönsten Gefühle auf der Welt.

Tipp: Deine Fortschritte schwarz auf weiss

Mein Job als dein Gitarrenlehrer ist es, dir Fortschritte auf der Gitarre zu verkaufen.

Du bezahlst mich nicht wirklich für die "Stunden" oder für mein Fachwissen (ich kann übrigens nicht alles wissen; jeder der das von sich behauptet ist nicht ernstzunehmen)

Es geht also einzig und alleine darum, dass du dich durch mich weiterentwickelst, in einem oder mehreren Bereichen (*) in denen du entweder selbst gar nicht im Stande gewesen wärest Fortschritte zu machen, oder nur mit viel zu viel Zeitaufwand und unnötigen Mühen.

(*) (Hinweis: sehr oft ist es 1 ganz spezieller Bereich an den du vielleicht gar nicht gedacht hättest)

Damit wir beide wissen ob wir noch in die selbe Richtung arbeiten, schreibe dir in deinem Journal oder auf einen A4 Zettel stichwortartig auf, welche Fortschritte ich dir bisher ermöglicht habe.

Wähle vielleicht die folgenden Kategorien:

  • Übungsplan - Hast du einen besseren Überblick als vor unserer Zusammenarbeit?
  • Übungsmethode - Übst du zuhause anders als vor unserer Zusammenarbeit? Wenn ja, wie?
  • Selbstbewusstsein - Fühlst du dich auf der Gitarre sicherer?

Tipp: Bewusstsein

Denke bewusst über die Dinge nach, die für dich derzeit nicht (oder besser gesagt, noch nicht) auf der Gitarre funktionieren.

Mache nicht den Fehler und verdränge all die negativen Aspekte deiner Spieltechnik. Verdrängen bedeutet aktives Auslöschen oder aktives Beiseiteschieben von wichtigen Informationen. Je mehr du dir darüber bewusst bist was du derzeit alles kannst und nicht kannst, desto mehr Fortschritte wirst du in beiden Bereichen machen.

Tipp: Anforderungen ans Üben

Denke daran, dass Gitarristen mit verschiedenen Fähigkeiten auch völlig verschiedene Anforderungen ans Üben haben.

Beispiel am Thema Backing Tracks:

1. Stark fortgeschrittener Gitarrist: Kopiert sich in seiner DAW eine einzige Akkordfolge über 4 Minuten hinweg, um sich dann möglichst schnell dem Improvisieren zu widmen.

2. Anfänger: Wären besser daran, die Akkordfolge über die ganzen 4 Minuten der Aufnahme zu wiederholen, um zu lernen wie man wirklich konsistente, saubere Akkordwechsel mit exaktem Timing spielt.

3. Leicht Fortgeschrittene: Sollten im Prinzip noch an beiden Ansätzen arbeiten.

Ein perfekter Ort für so ein in Stufen eingeteiltes Training ist einer unserer Workshops. Anfänger bis stark fortgeschrittene Gitarristen können sich gegenseitig zuarbeiten und unterstützen. Jeder entwickelt sich auf seinem eigenen Level weiter, ohne die anderen dabei zu stören.

Übrigens: Arbeite ich selbst an einem neuen Backing Track, so wähle ich oft gerne Option 3. So bekomme ich nämlich zusätzliches Training, da ich zB. wirklich saubere Akkordwechsel schon länger nicht trainiert habe. Von Zeitverlust kann man bei 4 Minuten eigentlich überhaupt nicht sprechen.

Tipp: Wiederholungen beim Üben

Achte beim Lernen und Trainieren von Skalen, Arpeggios und ähnlichen Strukturelementen darauf, dass du nicht unnötig viele Wiederholungen spielst.

Natürlich benötigt das Gehirn viele Wiederholungen, um ein Konzept zu verinnerlichen. Aber besonders bei Skalen und Arpeggios beobachte ich oft, dass ein Gitarrist unnötig viele Wiederholungen spielt - oftmals ohne dabei bewusst nachzudenken, und in der Hoffnung dass das Gehirn einfach so das Konzept verinnerlicht.

Für Skalen, Akkorde und Arpeggios ist es ratsam, das Material aktiv von verschiedenen Seiten aus zu betrachten:

  • Durchsicht der Theorie ohne Gitarre,
  • eine Prise monotones Basis Training (Arpeggio/Skale rauf und runter, Akkordwechsel, etc.),
  • Gehörbildung (Skalen singen, Akkorde identifizieren),
  • Anwendung (zB. Improvisation anhand einer Akkordfolge)

Tipp: Lernen lernen

Ein häufiges Problem welches zB. beim Lernen von Akkorden, einer Skale bzw. der Modes auftritt, ist dass sich das Gehirn die ganzen verschiedenen Fingerings/Positionen zunächst einfach nicht merken will.

Woran liegt das und was kann man dagegen tun?

Nun, einerseits gibt es unter uns Menschen verschiedene Lerntypen. Manche Menschen lernen visuell (Diagramme, Videos, ..), manche lernen direkt mit dem Gehör, Andere wiederum lernen verstärkt spielerisch und experimentell, oder meist auch eine Mischung aus allen Typen (ich persönlich bin eher der spielerische experimentelle Typ, plus Gehör)

Andererseits wird oft natürlich zu viel auf einmal gelernt (oder gelehrt), wie zB. alle 7 Modes aufeinmal anstatt Stück für Stück. So bleiben sehr selten die gesamten 100% im Gedächtnis hängen.

Bei den Modes ist das wie gesagt sehr deutlich, aber auch in anderen Bereichen musst du deinen individuellen Lerntyp berücksichtigen. Den Umgang mit einer DAW-Software zu lernen, einen Song nach Gehör zu lernen oder sich einfach nur alle Intervalle beim Namen auswendig zu merken, ...

Eine konkrete Vorgehensweise für alle Lerntypen und Beispiele würde das Format dieses "Tipps des Tages" sprengen, daher überlege dir diese Woche einfach mal aus welchen "Lerntypen" du bestehst (oder bestehen könntest) und wo deine Stärken und Schwächen liegen.

Jeder Mensch benötigt Hilfsmittel zum Lernen, und zwar die individuell richtigen. Hilfsmittel gibt es zur Genüge aber du musst zuerst wissen wonach du überhaupt suchst und was du benötigst.

Tipp: Deine aktuelle Spieltechnik

Vergleiche ganz in Ruhe deine Spieltechnik mit dem Stand von vor 12 Monaten.

Egal welche Fortschritte und wie klein sie auch sein mögen, du bist als Gitarrist und als Musiker in den letzten 12 Monaten gewachsen. Ich habe noch nie mit jemandem zu tun gehabt der wirklich Null Fortschritte gemacht hat, nicht mal bei einer kompletten Spielpause (das Gehirn lernt ewig weiter)

Oft sind es die kleinen Feinheiten die einen Unterschied machen - eine neue Gitarre, ein paar Akkorde mehr, ein besserer Einblick in Theorie, das alles führt schon in Kürze fast automatisch zu weiteren Fortschritten.

Tipp: Symptome und Ursachen

Viele Gitarristen suchen speziell im Internet nach Lösungen für gewisse Symptome, anstatt sich die Ursachen anzusehen.

Beispiel: Ich weiß anhand von Zugriffsstatistiken usw. dass sehr viele Leute nach neuen Akkorden suchen ("Gitarrengriffe"). Man kann unmöglich feststellen warum jemand konkret nach neuen Akkorden gesucht hat, jedoch kann man mit Sicherheit annehmen, dass ein gewisser Prozentsatz dieser Leute nicht kreativ genug ist, um selbständig neue Akkorde zu entdecken, und/oder Probleme hat, die bereits gelernten Akkorde zB. in echter Musik anzuwenden (also zB. einen Song zu schreiben). Was diese Leute also brauchen, sind nicht neue Akkorde die sie sich wiederum nicht merken, sondern eine solide sinnvolle Beschäftigung mit den bereits gelernten Akkorden. Das selbe gilt zB. auch für Skalen und Arpeggios.

Ein anderes Beispiel: Die Suche nach "Gitarre schnell spielen" - Hier wird (oft angetrieben von YouTube Videos wo man Gitarristen shredden sieht) versucht, möglichst schnelle Abkürzungen zu höherer Geschindigkeit auf der Gitarre zu finden. "Vielleicht gibt es ja irgendwo ein Blog oder Video wo man eine Übung findet, mit der man Monate harter Arbeit umgehen kann". Wie man jedoch weiß, gibt es dazu keine Abkürzungen. Leider fallen viele Leute auf solche Angebote herein, denn die Angebote (mit teils unrealistischen Versprechungen) sind auf jeden Fall vorhanden.

Das selbe Beispiel nochmal: Manche Leute meinen mit ihrer Suche nach "gitarre schnell spielen lernen" nicht die Geschwindigkeit der Spieltechnik, sondern die Geschwindigkeit des Lernprozesses. Sie erhoffen sich, das Instrument schneller zu lernen als es in Realität eigentlich möglich ist. Sie suchen ebenfalls nach Abkürzungen und Angeboten ("Gitarre spielen lernen in nur 24 Stunden!!") und arbeiten erfolglos drumherum, die nötige Zeit tatsächlich zu investieren.

Tipp: Hürden überwinden

Wenn du beim Gitarre Lernen mal gegen eine Hürde anstösst und an etwas arbeiten musst dass dir kurzfristig gesehen keine grosse Freude bereitet, so gebe ich dir folgenden Ratschlag für diese Situation:

Versuche ganz einfach, anders über die Übung (die Hürde) zu denken, und ändere deine Sichtweise auf das Thema. Gehe dann erneut an das Thema heran und sei offen für Neues, auch wenn es immer noch keinen Spaß macht. Alle möglichen Dinge können Spass machen, der Beweis ist dass zB. erfolgreiche Unternehmer oder Sportler ebenfalls sehr gerne so denken ("was könnte ich tun, damit mir langweilige Dinge wie Buchhaltung, Organisation oder Telefonieren ab nun viel mehr Spass machen?")

Tipp: Gehör-Training

Dein Gehör ist dein wichtigstes Instrument und Werkzeug!

Du solltest fähig sein bzw. ständig daran arbeiten, alles was du hörst oder jemals gehört hast auf der Gitarre nachzuspielen.

Spiele auf deiner Gitarre Werbespot-Jingles nach, Melodien von Pop Songs, sogar Vogelgezwitscher, Handy Klingeltöne usw.

Wenn's nicht so recht klappt, versuche noch einfachere Melodien nachzuspielen, und besuche den nächsten Improvisation- und Gehörtraining Workshop

Über den Autor

Sebastian Posch wurde 1978 geboren, spielt seit 1989 Gitarre und ist ein in Niederösterreich wohnhafter Gitarrenlehrer und Studiogitarrist.

Gitarrenlehrer Sebastian Posch
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